Dr. phil. Dr. rer. medic. Andrea Mercedes Riegel

Naturheilpraxis - Praxis für klassische chinesische Medizin

Traditionelle chinesische Medizin (TCM)
Die traditionelle chinesische Medizin ist ein holistisches Medizinsystem, das den Menschen als Einheit in sich und mit dem Kosmos betrachtet. Es ist ausgerichtet auf die Herstellung von Harmonie im Körper, auf energetisches Gleichgewicht im Inneren. Ihre Methoden sind sanft und sie zielen auf eine Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Symptome werden auf ihre Ursache hin untersucht, die Disharmonie im Körper von ihrer Wurzel her behandelt. Dieses Charakteristikum der Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit macht die TCM zu einem so effizienten Heilsystem.

Die TCM, die wir heute kennen, entstand in den 50er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts unter dem chinesischen Namen zhongyi. Sie  ist ein Modell, das im Zuge der Rückbesinnung auf die alten kulturellen Werte Chinas entwickelt wurde. Hintergrund war die Notwendigkeit, ein effektives und dabei kostengünstiges Medizinsystem für alle Bevölkerungsschichten bereitzustellen. Die Wurzeln und Basistheorien der TCM sind jedoch über 2000 Jahre alt, sie haben ihrer Basis im Yijing (Buch der Wandlungen), in dem Werk, das ursprünglich Kalender und Orakelbuch gewesen war. Viele der alten Theorien fielen der Säuberungsaktion im maoistischen China zum Opfer. Die wichtigsten Säulen der traditionellen chinesischen Medizin sind:

Der Mensch als Mikrokosmos im Makrokosmos
Yin und Yang
Die Fünf Wandlungsphasen

Yin und Yang
Die Philosophie von Yin und Yang sieht die Erscheinungen der Welt in zwei Gegenpole unterteilt. Die beiden Gegenpole bilden eine untrennbare Einheit, sie unterstützen, bedingen und beschränken einander. Beide sind relative Größen, und jede Kraft birgt einen Teil der anderen in sich. Extremes Yin bringt Yang zum Wachsen, extremes Yang bringt Yin zum Wachsen. Das gesamte Spektrum des Zusammenspiels beider Kräfte wird durch die uns heute bekannte Monade dargestellt. Die Karte in ihrer Gesamtheit zeigt die endlose Bewegung und Veränderung von Yin und Yang, die vitale Energie (Qihua 氣化) an. Dieses Modell bildet die wichtigste Basis der chinesischen Medizin, es durchzieht sie wie ein roter Faden. Harmonie zwischen Yin und Yang bedeutet Gesundheit im menschlichen Körper.

Die Fünf Wandlungsphasen
Das Zusammenspiel der Organe untereinander folgt den Gesetzmäßigkeiten der Fünf Wandlungsphasen, einer weiteren Theorie, die ihre Wurzeln in der frühen chinesischen Philosophie hat. Die Organe werden zu Yin/Yang-Paaren zusammengefasst, jedes Organpaar wird einer Wandlungsphase zugeordnet. Daneben bestehen weitere Zuordnungen der Organpaare und Wandlungsphasen zu Jahreszeiten, Himmelsrichtungen, Farben, Geschmacksrichtungen, Entwicklungsstufen, Emotionen, Sinnesorganen und Körperschichten, so dass ein System der „systematischen Zuordnungen“ entsteht. Das Zusammenspiel der Fünf Wandlungsphasen umfasst einen Förderzyklus und einen Kontrollzyklus:

Vereinfacht dargestellt lautet der Förderzyklus:Wandlungsphasen

Holz verbrennt in Feuer,
Feuer bringt Erde hervor,
in der Erde befinden sich metallische Erze,
erhitztes Erz wird flüssig,
Wasser fördert das Wachstum der Bäume.

Der Kontrollzyklus stellt sich wie folgt dar:

Holz entzieht der Erde Nährstoffe,
Metall schneidet Holz,
Feuer schmilzt Metall,
Erde dämmt Wasser,
Wasser löscht Feuer

 

 

 

 

Die weiteren Zuordnungen der Fünf Wandlungsphasen sind:

 Elemente   Richtung   Jahreszeiten   Klimatische Faktotren   Farben   Entwicklungsstufen 
 Holz  Osten  Frühling  Wind  Grün  Geburt
 Feuer  Süden  Sommer  Hitze  Rot  Wachstum
 Erde  Mitte  Spätsommer  Feuchtigkeit  Gelb  Wandlung
 Metall  Westen  Herbst  Trockenheit  Weiß  Ernte
 Wasser  Norden  Winter  Kälte  Schwarz   Sammlung
 Elemente   Innere Organe   Hohl-organ   Sinnes-Organ   Körper-schicht   Gefühl   Geschmack 
 Holz   Leber   Galle   Auge   Muskel   Zorn   Sauer 
 Feuer   Herz   Dünndarm   Zunge   Blutgefäße   Freude   Bitter 
 Erde   Milz   Magen   Mund   Bindegewebe  Besorgnis   Süß 
 Metall   Lunge   Dickdarm   Nase   Haut   Traurigkeit   Scharf 
 Wasser   Niere   Blase   Ohr   Knochen, Gelenke   Angst   Salzig

Tab. 1a,b. Die Entsprechungen der fünf Wandlungsphasen

Sind alle Organe in harmonischem Zusammenspiel, dann herrscht Gesundheit.

Die Acht Leitkriterien
Die Acht Leitkriterien (bagang 八纲) sind die Begriffe, mit denen jedes Krankheitsgeschehen gefasst wird. Sie sind einfach und bei genauerem Hinsehen wieder Manifestationen von Yin und Yang.

Yin  Yang 
Innen       Außen      
Kälte  Hitze 
Leere  Fülle 

Die Diagnosestellung nach den Acht Leitkriterien bringt es mit sich, dass die TCM auf der einen Seite wesentlich ungenauer ist als die Schulmedizin, auf der anderen Seite eine differenziertere und individuelle, auf den einzelnen Patienten abgestimmte, Diagnosestellung und Therapie erlaubt.

Das Leitbahnensystem jingluo 经络

Die chinesische Medizin geht davon aus, dass der Körper von einem Netzwerk von Leitbahnen (jing) und Netzgefäßen (luo) durchzogen ist, das alle Gewebe und Organe mit Energie und Blut versorgt. Sie kennt
12 Leitbahnen (6 Yin/Yang-Paare) mit Organbezug
8 Extragefäße (qijing baimai 奇 经 八脉) ohne Organbezug
Tendomuskuläre Bahnen
Netzgefäße zwischen zusammengehörigen Yin-Yang-Bahnen
Tertiäre Netzgefäße

Die 12 Hauptleitbahnen tragen Reizpunkte, die im eigentlichen Sinne „Löcher“ (xuedao 穴道oder xuewei 穴位) sind, über deren Stimulation eine Regulation im Organismus erzielt werden kann. Die Kenntnis dieser Punkte, deren Qualitäten und Kombinationsmöglichkeiten ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Therapie über die Akupunktur.

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